Eine Umweltbildung, die gesellschaftlich geprägte Differenzen und Hierarchien zwischen Mann und Frau in ihrer Praxis nicht übernehmen oder reproduzieren ("doing gender") will, muss sich der sozialen Ungleichheit bewusst werden. Die Annahme, Umweltbildungsaktivitäten seien geschlechtsneutral scheitert daran, dass es keine geschlechtsneutrale Kinder und Jugendliche gibt.
Multiplikatoren einer geschlechtsreflektierten Umweltbildung sind gefordert, ihre Bildungskonzepte auf die unterschiedlichen Lebenswelten abzustimmen, und sich die soziale Ungleichheit dabei bewusst vor Augen zu führen. Um in ihrer Gruppe Anerkennung zu finden und dazuzugehören, verhalten sich Mädchen, Frauen und Jungen oder Männer nach geschlechtsspezifischen Schemata. Ohne sich dessen bewusst zu werden, stützen und stärken sie das soziale Konstrukt "Geschlecht". Eine Erkenntnis, die auch von der Koedukationsforschung an Schulen bestätigt wird.
Die Schnittstelle zur Umweltbildung
Stellt sich die Frage, ob diese Verhaltensmechanismen auch Auswirkungen auf die Umweltbildungsziele haben? Ja, so lautet die Antwort. Die Umweltbildung hat es sich zum Ziel gemacht, viele Menschen zu einem verantwortungsbewussten und nachhaltigen Umgang mit dem Naturerbe zu motivieren und zu befähigen. "Viele Menschen" bedeutet Frauen, Männer, Mädchen und Jungen gleichermaßen.
Die Teilnahme an einer Umweltbildungsaktion sagt noch nichts darüber aus, ob der inhaltliche Aufbau und die didaktische Herangehensweise beiden Geschlechtern gerecht und inwiefern die Motivation zum umweltbewussten Handeln bei beiden gleichermaßen gefördert wird. Demnach reicht es nicht, sich im Vorfeld einer Aktion um eine ausgeglichene Gruppenkonstellation zu bemühen.
Untersuchungen im Nationalpark Harz kamen sogar zum Ergebnis, dass sich bei Umweltbildungsaktivitäten mit koedukativen Gruppen - Gruppen, die etwa gleich viele Jungen und Mädchen haben - das Umweltbewusstsein ganz unterschiedlich entwickelte. Während das Bewusstsein bei den Jungen anstieg, nahm es bei den Mädchen ab (nach einer Studie von A. Bittner). Das Bildungsziel wurde also bei der Hälfte der Teilnehmer bzw. den Mädchen nicht erreicht. Ein Ergebnis, das Anlass für sofortiges Handeln sein sollte. Vor allem dann, wenn die Umweltbildungsarbeit in Kontext mit der Agenda 21 gebracht wird. Dann werden Ökologie und die soziale (Geschlechter-) Gerechtigkeit zu einer der wichtigsten Aufgaben in der Umweltbildung.
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» Geschlechtsreflektierende Umweltbildung (PDF)






